1.August - Cusco

Endlich sind wir da! Nachdem wir beim Anflug einen grandiosen Ausblick auf die Anden hatten, geniessen wir seit gestern das tolle Flair von Cusco. Die traumhafte Lage in den Anden, kulturelle Hoehepunkte wie Reste von Inkamauern, Kirchen und Kathedralen und natuerlich der Plaza de Armas, der Hauptplatz in Cusco, begeistern uns. Durch die klare Luft erscheint alles in einem besonderen Licht. Auch wenn wir beim Treppensteigen noch ganz schoen schnaufen (die Luft ist hier auf 3200m doch ganz schoen duenn), haben wir viel Spass daran, treppauf, treppab die kleinen Gassen zu erkunden. 



   

6.August - Ollanta

Bisherige Gesamtstrecke auf dem Velo: 86 km (na ja, wird schon noch!)

 

Nach einer Irrfahrt durch Cusco sind wir bei strahlendem Sonnenschein unsere ersten Kilometer in Peru geradelt, vorbei an schneebedeckten Andengipfeln. Radltraeume werden wahr!!  

                  

In Ollanta suchten wir eine sichere Bleibe fuer unsere Fahrraeder und stiegen am naechsten Tag auf den Vistadome, den schweineteuren Tourizug nach Aguas Calientes (Ausgangspunkt fuer Machupicchu), um. Fuer die Eintrittskarten mussten wir dann ebenso tief in unsere Budgetkasse greifen: 40 Dollares pro Nase, da ist wohl schon der Weltwunderaufschlag dabei. Als Trainingslauf bestiegen wir noch am selben Tag den Putucusi, einen Berg direkt gegenueber von Machupicchu und bekamen so einen ersten Eindruck von der alten Inkafestung.

Am naechsten Morgen machten wir uns um 4 Uhr mit Taschenlampen bewaffnet auf, den schweisstreibenden Anstieg zum Eingang von Machupicchu zu erklimmen, wo um 6 Uhr die Pforten oeffnen. Kurz vor 6 Uhr kam dann auch der erste Touribus an (Gemeinheit!) und die ersten Bus-touristen stuermten an uns vorbei zum Eingang. Trotzdem "erkaempften" wir uns noch einen der vorderen Plaetze beim Ansturm auf die Inkafestung. Vom Mirador aus erlebten wir den Sonnenauf-gang vor der Wahnsinnspostkartenkulisse. Die fast schon mystische Atmosphaere wurde dabei nur von ein paar Reisegruppen gestoert, die sich lautstark zum Gruppenfoto aufstellten.

Den ganzen Tag ueber erkundeten wir die Ruinenanlage und umliegende Teile des Inkatrails. Nach geschaetzten 1 Millionen Stufen, die wir an diesem Tag hinauf- und hinabgestiegen sind, waren wir am Abend erschoepft aber gluecklich. Nur zurueck nach Aguas Clientes schwaechelten wir und nahmen den Touribus.

Heute goennten wir uns in der relaxten Atmosphaere von Ollanta (Schlaumeierpunkte: Ollanta gilt 
als aeltester, staendig bewohnter Ort Suedamerikas) einen "hang-loose"-Tag.


                  


22.August - Arequipa

 Gesamtstrecke auf dem Velo: 920 km

 

   

Von Ollanta aus haben wir ohne Gepaeck eine Tour zu einem sehr traditionsbewussten Andenbergdorf unternommen. Nach Willoq, wo die Bewohner noch ihre traditionellen Trachten tragen und die Frauen noch kunstvoll Stoffe weben, verirren sich nur wenige Touristen. Waehrend Stefan sich in solchen Doerfern eher wie ein Fremdkoerper vorkommt, schafft es Sabine meist sehr schnell mit den Leuten ins "Gespraech" zu kommen.

  

Als naechstes sind wir auf dem Markt von Pisaq einem wahren Kaufrausch verfallen. Leider fanden wir erst dann heraus, dass es in Pisaq keine Post gibt. Also ging es mit dem Bus zurueck nach Cusco, wo wir unser Monsterpaket auf die Reise schickten.

Nun war es aber genug der "Faulenzerei" und des Luxuslebens. Die ersten 150 km durften wir noch auf einer gemaechlich ansteigenden Strasse den Asphalt geniessen, dann ging es rechts ab in die Bergwelt der Anden und es hiess: "Adios asphalto!". Die fantastische Landschaft, wie an der Laguna Langui,  entschaedigte uns jedoch fuer so manche Strapazen. Ausserdem waren wir fast alleine unterwegs - nur selten staubte uns ein Bus oder LKW ein.

 

Nach anfaenglichem Wetthusten und erhoehtem Aspirinverbrauch fuehlten wir uns mit der Zeit selbst ueber 4000m recht wohl. Als auf dem ersten Pass ein weisses Alpaka auf uns zugallopiert kam, glaubten wir trotzdem zunaechst, dies seien die ersten Symptome einer schweren Hoehenkrankheit. Sabine fand das Alpaka dann aber doch zum Knutschen suess! Uebrigens schauen diese Tierchen nicht nur putzig aus und liefern 1a-Wollpullover, sie schmecken auch noch ausgezeichnet.

   

Da es auf der 230km langen Strecke nur eine Ortschaft mit Hotel gab, mussten wir des Oefteren unsere Zeltausruestung einsetzen. Bei naechtlichen Temperaturen, die selbst im Zelt das Wasser in unseren Trinkflaschen zum Gefrieren brachten, hielten uns unsere Schlafsaecke wohlig warm. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

    

    

An einer Abzweigung auf unserer letzten Etappe nach Chivay (unserem Zielort, dem Tor zum Colca Canyon), verstand Sabine sicher, wie zwei freundliche Herren von cuarenta (= 40) kilometros sprachen. Stefan hatte zwar noventa (= 90) verstanden, aber auch die (grottenschlechte) Karte sprach gegen ihn. Nach einer laengeren Abfahrt und einem weiteren Pass standen wir nach 45 km bei Sonnenuntergang auf 4700m Hoehe, und sahen die Strasse in der Dunkelheit verschwinden ... . Eilig bauten wir im eisigen Wind unser Zelt auf, das Abendessen bestand aus zwei Fruchtschnitten... . 

                

Am naechsten Tag holperten wir die restlichen 60km auf einer ueblen Piste, die zum Schluss mehr einem ausgetrockneten Bachbett als einem befahrbaren Untergrund glich, nach Chivay. Die Dame an der Rezeption der ueberteuerten Hospedaje reichte uns einen feuchten Lappen zum Abwischen unserer Radtaschen und haette wohl am liebsten auch uns gruendlich abgestaubt. 

Tags drauf machten wir uns auf den landschaftlich reizvollen Weg in den Colca-Canyon und fanden in einem kleinen Ort ein low-budget-Hostal, das diese Bezeichnung wirklich verdiente (verfallenes Steinklo und Miniwaschbecken im Hof). Jedoch die nette Besitzerin servierte uns ein feines Abendessen und gab uns gute Tipps, wann die beste Zeit sei, um zu beobachten, wie "el condor pasa". Also ging es frueh am naechsten Morgen zum Kondorgucken hinauf zum Mirador "Cruz del Condor". Puenktlich um 8Uhr starteten die Kondore ihre Flugshow und schwebten anmutig ueber die Koepfe der begeisterten Beobachter hinweg.


Gegen halb zehn verschwanden dann die Kondore in der Tiefe des Canyons und die Touristen in ihren Bussen. Als wir dann den Mirador fast fuer uns alleine hatten, zeigte ein letztes Kondorpaerchen seine Flugkuenste.
Noch am gleichen Tag ging es zurueck nach Chivay.

Am darauffolgenden Morgen starteten wir Richtung Arequipa, der "Perle" Suedperus. Ueber die endlosen Serpentienen der asphaltierten Passstrasse schraubten wir uns bis auf 4910m empor. Oben gab es eine tolle Aussicht, zahlreiche uns bewundernde Touristen, aber leider nichts zum Trinken und zum Essen, nur die uebliche Alpakakrimskramsverkaeuferinnen.


Erst kurz vor Einbruch der Dunkelheit "pluenderten" wir einen kleinen Imbissladen und versorgten uns mit dem Noetigsten. Noch einmal war Zelten angesagt, bevor wir am naechsten Tag 2000 Hoehenmeter hinab nach Arequipa rauschten.

    

 

27. August - Arequipa

 Gesamtstrecke auf dem Velo: 960km

  

Ueber eine Woche lang haben wir uns nun in Arequipa wieder aufgepaeppelt. Wir genossen das Essen in den feinen Restaurants und den Luxus unseres schoenen Zimmers ueber den Daechern von Arequipa mit Blick auf die Kathedrale und den Vulkan Misti. Beim Sprachkurs mit Cecilia auf der Dachterrasse kam Sabine ganz schoen ins Schwitzen - haette sie doch bloss daheim mehr gelernt ...


Aber auch das Kulturprogramm kam nicht zu kurz: Neben der Kathedrale, dem Wahrzeichen Arequipas, gefiel uns vor allem das Nonnenkloster Santa Catalina, fuer das ein ganzer Stadtteil eingemauert wurde. Wir streiften durch die kleinen maurischen Gassen und die Kreuzgaenge und fuehlten uns ein wenig in die Zeit vor 300 Jahren zurueckversetzt.


Trotz heftiger Widerstaende von Stefan geht es morgen im Bus (welche Schande!) weiter nach Puno und zum Titicacasee.

 

29. August - Puno am Titicacasee

 Gesamtstrecke auf dem Velo: 965km

  

Gestern sind wir nun also mit dem Bus am Titicacasee angekommen und schon heute haben wir das Volltouriprogramm absolviert: Eine Bootsfahrt zu den Schilfinseln der Uronachfahren, die vor allem fuer die Touristen die traditionellen Lebensgewohnheiten bewahren. Ohne Touristen wuerde es diese Inseln allerdings wohl gar nicht mehr geben. Nach einigen Informationen unseres Guides wurden wir vom "Dorfchor" verabschiedet und schipperten mit einem Schilfboot ueber den See.