5. April - Montevideo
 
Velostatistik:

Gesamtstrecke: 9358km;  Höhenmeter:106200m  ; Gesamtradlzeit: 678 Stunden
Pannen: 16 (10 Platte, 3 Speichenbrüche, gerissenes Schaltseil, rampunierte Felge, Bremsleitung)

  


Um es gleich vorweg zu nehmen: Auf der Liste unserer Top-Urlaubsziele wird Uruguay wohl keinen der vorderen Plätze mehr einnehmen. Dabei begann alles noch recht vielversprechend:
Über den grauslig braunen Rio del Plata brachte uns die Fähre nach Colonia de Sacramento, dem wohl nettesten Kolonialstädchen in Uruguay. Zum Grossstadttrubel in Buenos Aires war dieses verschlafene Nest ein angenehmes Kontrastprogramm. Wir schlenderten durch die Gassen, stiegen auf den Leuchtturm und genossen die Aussicht auf den Rio del Plata und die Skyline von Buenos Aires, die man noch schwach am Horizont ausmachen konnte. 

 
Ein wenig fühlten wir uns wie in eine andere Zeit versetzt: Kolonialbauten, schöne Plätze und alte Kopfsteinpflasterstrassen und der bislang höchsten Oldtimerdichte Südamerikas, auch wenn manche der schmucken Exemplare wohl nur noch zu Dekozwecken herumstanden.


 
Obwohl man sich nach einem halben Tag alles Sehenswerte in Colonia schon zweimal angeschaut hat, blieben wir noch einen
weiteren Tag - es gab einfach zu viele nette Restaurants und Cafes. Dann aber rafften wir uns doch wieder auf, um nach 2 Wochen Quasiradelpause mal wieder in die Pedale zu treten und die 190-Kilometeretappe nach Montevideo anzugehen. Was uns erwartete war ...  grottenlangweilig. Eine Landschaft, wie die flachsten Teile Niederbayerns (die niederbayerischen Leser mögen uns verzeihen), in der uns bestenfalls vereinzelte Palmen und gelegentliches Papageiengeschrei ab und zu daran erinnerten, dass wir noch in Südamerika sind. Irgendwann war dann auch noch die Strasse autobahnähnlich ausgebaut und erinnerte mit ihren Betonplatten an die A3 Richtung Straubing - nur dass sie in Uruguay noch besser erhalten ist. Etwa 100 Kilometer ging es fast ohne die geringste Kurve geradeaus. Stefan begann vor Langeweile sogar während des Radelns Portugisisch zu lernen, mit dem Lehrbuch in der Kartenmappe der Lenkertasche.

Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz landeten wir bei der Polizeistation eines kleinen Ortes. Eigentlich wohnte dort eine Familie und Polizisten haben wir auch keine gesehen, aber freundlicherweise durften wir dort im Garten zelten.

Die letzten Kilometer vor Montevideo nahm dann der Verkehr deutlich zu und obwohl die Autofahrer Rücksicht auf uns nahmen und viel Abstand hielten, waren wir froh, als wir das Zentrum erreicht hatten. Zu unserer Freude trafen wir am nächsten Tag "The Strange Australien Animal" Stephen wieder, der von Buenos Aires aus eine etwas andere Route gefahren war. Gemeinsam erkundeten wir die auf einer Landzunge gelegene Altstadt und spazierten zur Hafenmauer, von der aus man einen schönen Blick auf die Skyline von Montevideo hat. 

 


Im Mercado del Puerto, wo auf riesigen Grills dauergegrillt wird, stärkten wir uns mit einem ordentlichen Stück Bife. Zwar ging es dort schon deutlich touristischer zu, als noch in unserem Reiseführer beschrieben (viele der Grilltheken haben inzwischen ein angeschlossenes Restaurant und Marktstände gibt es keine mehr), aber wir fanden zumindest noch einen Platz an einer urigen Grilltheke und die bahnhofsähnliche Halle hat immer noch eine gute Atmosphäre.


  

Danach ruhten wir uns an der Uferpromenade etwas aus und irgendwie muss die Sonne dabei wohl unser Gehirn etwas zu stark erhitzt haben, denn wir machten einen der typischen Touri-Fehler: Ein sympatisch wirkender Uruguayaner sprach uns an, quatschte ein wenig mit uns und eher beiläufig kamen wir auf ein Fussballländerspiel "Uruguay - Argentinien", das am Abend angeblich in Montevideo stattfinden sollte. Sabine war gleich Feuer und Flamme: Ui, toll! Fussballspiel in Montevideo soll ein Erlebnis sein, davon hatte sie gelesen. Auch Stephen war durchaus angetan, Stefans Fussballbegeisterung hielt sich zunächst wie immer in Grenzen. Der freundliche Uruguayaner erzählte, dass er gerade auf dem Weg sei, um von einem Bekannten Tickets zu kaufen und er könne mal anrufen, ob noch drei zu haben seien.  In einem bühnenreifen Telefongespräch rief er also seinen Bekannten an, der aber natürlich nicht erfahren durfte, dass die Tickets nur für drei Touristen sind. Und siehe da, drei Tickets waren kein Problem. Wir gingen also ein wenig mit, zahlten schon mal unsere je 300 Pesos (10 Euro) Eintrittsgeld (selbst der sonst extrem skeptische Stephen) und warteten dann auf einem kleinen Platz. Kurz nachdem sich unsere uruguayanische Bekanntschaft zum Ticketkauf verabschiedet hatte, meldete sich unser Hirn dann doch wieder und wir fragten uns, ob das besonders schlau war. Erst war uns dieses Misstrauen fast noch ein wenig peinlich, nach einer knappen Stunde wussten wir, dass es durchaus angebracht war. Für unsere
je 300 Pesos hatten wir lediglich eine gut durchdachte und schauspielerisch ansprechend vorgetragene Show bekommen und die Erinnerung daran, dass bei aller Freundlichkeit, die einem in Südamerika begegnet, eine gewisse Skepsis und Vorsicht durchaus angebracht ist - man ist halt auch der reiche Tourist! Ach ja, ein Fussballspiel gab es am Abend tatsächlich, wenn auch kein Länderspiel. Wir sahen es im Hotel beim Abendessen im Fernsehen  ...  


Obwohl auch Montevideo schöne Kolonialbauten (zum Beispiel das Theatro Solis, direkt gegenüber von unserem Hotel) und Plätze hat, an das Flair von Buenos Aires kommt diese Stadt lange nicht ran. Auch wurden wir hier so oft angebettelt wie sonst nirgends auf unserer Reise. So beschlossen wir, dass drei Tage Montevideo und eine Woche Uruguay genug sein sollten. Die Bustickets nach Brrrasil haben wir bereits in der Tasche... 

  

27. April - Paranagua
 

Velostatistik:
Gesamtstrecke: 9936km;  Höhenmeter:108800m  ; Gesamtradlzeit: 712 Stunden
Pannen: 16 (10 Platte, 3 Speichenbrüche, gerissenes Schaltseil, rampunierte Felge, Bremsleitung)

  

Das wilde brasilianische Partyleben hatten wir uns anders vorgestellt. Als wir Sonntagnachmittag mit dem Bus in Florianopolis ankamen, wirkte die Stadt fast wie ausgestorben, alles war geschlossen, die Bürgersteige hochgeklappt. Bei der Hotelsuche wurde uns schnell klar, dass hier weder mit Spanisch noch mit Englisch ein Blumentopf zu gewinnen ist und dass im Portugiesischen zwar vieles ähnlich geschrieben wird wie im Spanischen, dass es aber ganz anders klingt. Nach einigen Lerneinheiten mit dem MP3-Player kann Stefan zwar inzwischen allerlei schlaue Fragen stellen, nur die Antworten verstehen wir leider noch nicht. Aber die Menschen hier sind sehr freundlich und geduldig und so klappt die Verständigung dann meistens doch.

Als zweite grosse Aufgabe, neben der Verbesserung der Sprachkenntnisse, stand die Suche nach der perfekten Welle an - Stefan wollte unbedingt Surfen lernen. Also machten wir uns auf zu den schönen Stränden der Ilha Santa Catarina und fanden dort eine Surfschule und ein nettes Holzhäuschen.

 

Alsbald legten wir uns die Strandbasisausstattung (Sonnenschirm, Badetuch, Surfhose, Volleyball, neue Sonnencreme) zu und waren somit für ein paar Tage Strandleben gut gerüstet. Sonnenschirm ausrichten, Muscheln schubsen, Krebse erschrecken, sich von den Wellen durchschütteln lassen, Volleyball spielen, den Zahnseidenbikinistrandschönheiten bzw. muskelbepackten Surferjungs nachschauen ... - ganz schön stressig so ein Strandtag.

Und dann natürlich Stefans Surfkurs: Der Surflehrer, der mit der Vorstellung von einem gut trainierten und coolen Surfer wenig gemein hatte, sprach leider etwa so gut Englisch wie Stefan Portugiesisch und so war das ganze ein kombinierter Surf-Portugiesischkurs mit zahlreichen Scharadeeinlagen. Spass hat es trotzdem gemacht und immerhin...

 

Nach einigen Tagen stiess dann auch Stephen wieder zu uns, der erst noch ein Visum für Brasilien benötigt hatte - für Australier ist das gar nicht so einfach, weil sie selber auch keinen ohne Visum reinlassen. Nachdem wir uns in Florianopolis mit Kartenmaterial eingedeckt und die weitere Route auf dem Bürgersteig geplant hatten, radelten wir gemeinsam auf dem Seitenstreifen der autobahnartigen Küstenstrasse BR-101 nach Norden. LkW donnerten an uns vorbei und jede Ausfahrt verursachte einen kleinen Nerven-kitzel - so hatten wir uns das Radeln in Brasilien nicht vorgestellt. Nach 50 Kilometern bogen wir schliesslich Richtung Landesinnere ab und fuhren auf kleineren Strassen durch saftig grüne Hügel nach Blumenau, einer der Hochburgen deutscher Auswanderer mit Fachwerkhäusern und Dirndelpuppen - nicht wirklich schön! Dann doch lieber wieder an die Küste.  

Bei grauem Himmel erreichten wir dort ein Badeörtchen, das in der tiefsten Nebensaison vor sich hinschlummerte. Zumindest konnten wir so sehr günstig ein Ferienhäuschen mieten und uns trotz des oft nicht strandtauglichen Wetters mit frischen Camarãos (Krabben) bei Laune halten. 

In dem an sich schönen Kolonialstätdchen São Francisco do Sul wurde am darauffolgenden Wochenende der 504. Jahrestag der Gründung gefeiert. Eine Art Travestieband spielte eine abstruse Mischung von 80er Hits - grauslich! So langsam waren wir ein wenig frustriert und fragten uns, ob wir den Heimflug nicht doch schon ein wenig früher hätten buchen sollen.

Das änderte sich jedoch schlagartig, als wir zwei Tage später zur wunderschönen und autofreien Ilha do Mel übersetzten. 

 
Sonnenschein, die herrliche Natur, wunderschöne Strände und nicht zuletzt die Wohlfühlpousada Maresia der netten und auch noch Deutsch sprechenden Susan hielten uns statt geplanter drei Tage gleich eine ganze Woche hier. Stephen meinte, wenn er mal wieder eine Freundin hätte, würde er sie hierher bringen ... , um ihr zu zeigen, wie ein gutes Frühstück auszusehen hat. Und in der Tat: Viel frisches Obst, feinen Kuchen, frisch gemixten Fruchtsaft ... , daran konnte man sich wirklich gewöhnen. Und als Unterhaltungsprogramm kamen herrlich bunte Vögel vorbei und naschten an den übriggebliebenen Fruchtschalen.

 
Eigentlich hätte man es den ganzen Tag in der Pousada aushalten können, aber ganz so faul wollten wir doch nicht sein. So machten wir uns am ersten Tag auf, um den Nordteil der Insel auf dem Strand zu umrunden. An einem etwa drei Kilometer breiten Stück Mangrovenwald kommt man allerdings nur bei Ebbe vorbei. Wir standen schon vor dem einzigen Internetcafe des Ortes, um uns über die Gezeiten schlau zu machen, da meinte Stephen: "Let`s go there and see what happens!" "What happens" war, dass genau zu der Zeit, als wir schon ein Stückchen am Mangrovenwald entlang geradelt waren, die Flut einsetzte und wir schliesslich durch kniehohes Wasser wieder zurück zum sicheren Strand stapfen mussten. 

 
Statt der Umrundung radelten wir da doch lieber auf der anderen Seite zur alten Festung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

Auf dem Rückweg kauften wir schliesslich noch einem Fischer einen Teil seines Fanges direkt am Boot ab - ein fantastisches Abendessen! So überzeugend, dass Fischkauf und die abendliche Zubereitung im Ofen oder auf dem Grill zum festen Bestandteil unseres Inselalltags wurden, wobei die vertilgten Exemplare immer grösser wurden...


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Für die kommenden zwei Tage hatten Stephen und Stefan sich ein Surfboard ausgeliehen. Die Wellen waren allerdings meistens doch noch ein paar Nummern zu gross... Spass machte es trotzdem!
 

Nach so viel Aktivität wollten wir eigentlich ein  wenig in der Hängematte faulenzen, da erzählte uns Susan von Delphinen, die man in Strandnähe beobachten konnte. Im zweiten Versuch - noch vor dem Frühstück - konnten wir tatsächlich zahlreiche Rückenflossen aus dem Wasser spitzen sehen. Nur mit Stefan spielen oder ihn durch das Wasser ziehen wollten die Delphine nicht - hatten wohl noch nie Flipper gesehen.

Nach einer Woche haben wir uns heute schweren Herzens von diesem kleinen Paradies verabschiedet. Schliesslich warten schon die Iguazuwasserfälle auf uns ...


  

10. Mai - Parati
 

Velostatistik:
Gesamtstrecke: 10313km;  Höhenmeter:114200m  ; Gesamtradlzeit: 738 Stunden
Pannen: 17 (11 Platte, 3 Speichenbrüche, gerissenes Schaltseil,
                     rampunierte Felge, Bremsleitung)

 

Auf dem Kopfsteinpflaster einer alten Kolonialstrasse radelten  wir das Küstengebirge hinauf durch den Regenwald - der stete Nieselregen passte da irgendwie, auch wenn uns die schöne Aussicht auf die Küste verwehrt blieb. Ausserdem sprang an diesem Tag unsere Gesamtkilometeranzeige auf 10 000 Kilometer um. 10 000 erlebnisreiche Kilometer im faszinierenden Südamerika, wenn das kein Grund zur Freude ist ...

Wir radelten in die Metropole Curitiba, und obwohl hier die Lebensqualität besonders hoch sein soll, hielt es uns nur wenige Stunden. Mit dem Nachtbus überbrückten wir die knapp 1000 Kilometer nach Foz do Iguaçu im Dreiländereck von Brasilien, Paraguay und Argentinien, um mal so richtig viel Wasser in die Tiefe stürzen zu sehen. Erst einmal machte uns jedoch das Wetter einen Strich durch die Rechnung: Aufgrund des grauen Himmels änderten wir unsere Pläne und fuhren zunächst über die Freundschaftsbrücke nach Ciudad del Este in Paraguay - ein nicht ganz ungefährliches Pflaster, wie man uns später erzählte, denn angeblich wird dort geschmuggelt, geklaut und überfallen was das Zeug hält. Für die meisten Brasilianer und Argentinier gibt es auch nur einen Grund dorthin zu fahren: die Jagd nach Schnäppchen, denn vor allem Elektronikartikel sind wohl vergleichsweise günstig zu haben, und so liebäugelten auch wir ein wenig mit dem Kauf eines neuen MP3-Players. Schon auf der Brücke erwartete uns allerdings ein gigantisches Verkehrschaos. Zwischen den Autoreihen rasten wir von einem guten Dutzend ungeduldiger Motorradfahrer verfolgt hinüber. Grenzkontrolle? Fehlanzeige! Somit konnte auch Stephen mit, denn eigentlich brauchen Australier für Paraguay ein Visum. In Ciudad del Este setzte sich dann das Chaos fort. In den überfüllten Strassen standen vor unzähligen Shoppingcentern, in denen alle erdenklichen Elektroartikel angeboten wurden, hunderte von Ständen und Strassenverkäufern und verkauften alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Menschen- und Warenfluten, statt Wasserfluten, wie es in unserem Reiseführer heisst. Kurz nach der Einfahrt in die Stadt wollte uns sogar jemand unsere Fahrräder unter dem Hintern wegkaufen... Ein wenig stürzten wir uns ins Gedränge, aber schon bald gaben wir die Schnäppchenjagd auf und waren froh, als wir, zurück in Brasilien, den Trubel hinter uns lassen konnten.

   

Am darauffolgenden Morgen war der Himmel zwar immer noch wolkenverhangen, trotzdem brachen wir nun endlich zum brasilianischen Teil der Iguaçu-Wasserfälle auf. Bemerkenswerterweise ist dieser Teil des Nationalparks in privater Hand und der Kommerz scheint daher auch ein wenig wichtiger zu sein als der Naturschutz. Obwohl wir mit den Fahrrädern einfuhren, mussten wir für die Benutzung des Shuttlebusses zahlen, da half auch Stephens Protest bei der Parkleitung nichts. Vom ersten Eindruck der Wasserfälle, den wir uns angesichts des verlängerten 1.Mai-Wochenendes mit einigen Busladungen anderer Touristen teilen mussten, waren wir dann eher ein wenig enttäuscht: schon schön, was da so herunterplätscherte, aber dafür so weit anreisen? Die anfängliche Enttäuschung schlug jedoch in Begeisterung um, als wir den U-förmigen "Garganta del Diabolo", den grössten der Iguaçufälle, erblickten. Höhepunkt der brasilianischen Seite ist ein Steg, der mitten in diesen Teufelsschlund hineinführt. Von allen Seiten donnern hier gigantische Wassermassen in die Tiefe und von der Gischt waren wir in Kürze pitschnass. Später kam dann sogar noch die Sonne heraus und zauberte herrliche Regenbögen vor diese atemberaubende Kulisse.

"Everything is better in Argentina" war bislang unsere Überzeugung in Südamerika: das Bife, der Wein, die Sprache ... Zwar haben wir dies inzwischen ein wenig eingeschränkt (bei Frühstück, Früchten und Stränden inklusive Strandchicas liegt definitiv Brasilien vorne), jedoch gefiel uns auch die argentinische Seite der Wasserfälle insgesamt besser: Es gibt deutlich mehr schöne Wanderwege durch die Wälder mit tollen Ausblicken auf die vielen "kleineren" Wasserfälle.
Stefan raste bei einer "Get wet"-Tour in die riesige Gischtwolke der zweitgrössten Riesendusche und Sabine stimmten die vielen Regenbögen "superhappy".



Als Höhepunkt blickten wir von oben in den Teufelsschlund: eine weiss-braune, donnernde Wasserwand, von deren Anblick wir uns nur schwer wieder losreissen konnten (wir haben gerade noch die 18 Kilometer zurück ins Hotel geschafft, bevor es richtig dunkel wurde).


Nach so viel Wasser gab es noch ein letztes Bife de Chorizo in Argentinien. Am nächsten Morgen mussten wir uns dann von Stephen verabschieden, der zurück nach Buenos Aires fuhr und von dort nach Kanada fliegt, um dort eine Chica, ein Motorrad und einen Job zu finden (und zwar in dieser Reihenfolge). Good luck! Irgendwann werden wir ihn bestimmt mal wieder treffen...

 

Wir radelten (natürlich nicht ohne zwei Fläschchen feinen Malbecs in den Packtaschen) zurück nach Brasilien und erwischten noch am selben Tag einen Bus, der uns in 20 Stunden wieder in Richtung Küste brachte. Gute 200 Kilometer vor Rio de Janeiro liessen wir uns in irgendeinem Ort mit "A..." absetzen, um von dort an die Küste runter zu radeln. Statt "runter" ging es allerdings ständig auf und ab - insgesamt unerwartete 1800 Höhenmeter bergauf.


Hoch oben gab es dann sogar wieder Araukarien, allerdings eine etwas andere Art, als die, die wir in Chile gesehen hatten. Beim Sonnenuntergang waren wir schliesslich auf 1400m. Dann ging es zwar bergab, allerdings endete an einem Nationalpark der Asphalt und der Weg wurde so steil, dass wir nur noch im Schritttempo hinunterhoppeln konnten. Schliesslich zelteten wir auf einem Seitenweg im Regenwald und waren froh, noch ein paar Oliven und etwas Käse als Abendessen im Gepäck zu haben. Am nächsten Morgen fand sich unverhofft eine kleine Bar mit feinen frittierten Bananenkäsetaschen.

Nach dieser Stärkung erreichten wir bald das wunderschöne Kolonialstädchen Parati und schlenderten über das noch von Sklaven angelegte alte Kopfsteinpflaster durch die malerischen Gassen des historischen Zentrums. 



 

Ach ja, und übrigens: Stefan bringt zur Zeit so leicht nichts auf die Palme...

 

 

31. Mai - Arraial d'Ajuda
 

Velostatistik:
Gesamtstrecke: 11091km;  Höhenmeter:119823m; Gesamtradlzeit: 789 Stunden
Pannen: 16 (10 Platte, 3 Speichenbrüche, gerissenes Schaltseil, rampunierte Felge, Bremsleitung)

 

"Carramba", ruft so mancher Brasilianer aus, wenn wir ihm unsere Reiseroute schildern. Dass wir dabei gerade in letzter Zeit manchmal etwas mogelten, verschweigen wir - ist so schon kompliziert genug das Ganze auf Portañol zu erzählen. Aber schliesslich sind wir Genussradler und wollen daher weder im Dieselgestank ersticken noch durch die vorbeidonnernden Laster taub werden. Leider gab es zur BR-101 (BR könnte dabei für BRUMMI stehen), jener Hauptroute, die parallel zur brasilianischen Küste verläuft, häufig keine Alternative und so griffen wir des Öfteren auf Plan B zurück - B wie Bus. Erfreulicherweise ist das dank eines vorbildlichen Bussystems und Bussen mit riesigen Gepäckfächern hier ziemlich easy. Oft müssen wir dabei an unsere Schweizer Freunde Yumiko und Reto denken, die vor einigen Jahren diese Strecke samt Hundeanhänger radelten - Puh! 
 

In Parati schwangen wir uns aber zunächst auf unsere Bikes, um auf einer kleineren Küstenstrasse die Costa Verde entlang zu radeln, einer der wenigen Küstenabschnitte, an dem noch etwas Regenwald erhalten geblieben ist. Unser nächstes Ziel war die Ilha Grande - ein "Stück Amazonien mitten im Ozean", wie unser Reiseführer schwärmte. Im Dunkeln setzten wir von Angus dos Reis über und so konnten wir erst am nächsten Tag das saftige Grün bewundern. Die Ilha Grande wurde bis 1996 ausschliesslich als Gefängnisinsel genutzt, und so blieb die Natur weitestgehend unberührt. Bis heute gibt es nur einen kleinen Ort und drei Autos auf der gesamten Insel. Gleich am ersten Tag schipperten wir in einem kleinen Boot die Küste entlang, entdeckten beim Schnorcheln riesige Seesterne und gelbgoldene Korallen und aalten uns an einem herrlich ruhigen Strand in der Sonne.


Durch den dichten Regenwald und auf glitschigen Wegen bestiegen wir tags drauf den felsigen Gipfel des mit 980 Metern höchsten Berges der Insel, hatten einen tollen Ausblick auf den Urwald und dank der ungewohnten Bewegung "Wandern" einen ziemlichen Muskelkater am nächsten Morgen.


Trotzdem wanderten wir nochmals, diesmal entlang der Küste zu den traumhaften Stränden der Insel, in deren Nähe auch die putzigen kleinen Mico-Äffchen lebten, nach denen wir schon die ganze Zeit Ausschau gehalten hatten.

Zur Stärkung gab es nach der Rückkehr leckersten Kuchen. Danach bauten wir noch eine kleine Sandburg ...


Die letzten 100 Kilometer nach Rio de Janeiro legten wir dann weitestgehend mit dem Bus zurück. Die "schönste Stadt der Welt" begeisterte uns dann erst einmal nicht wirklich: Durch ein etwas unheimliches Fabrikhallenviertel, über Schnellstrassen und durch das Verkehrschaos des Zentrums arbeiteten wir uns quer durch die Stadt. Hochhausschluchten, Autoabgase und überall Lärm waren vielleicht ein etwas zu grosser Kontrast zur Naturidylle der Ilha Grande. Bei der Hostalsuche lernten wir die nette Vicky kennen, die zwar kein Zimmer in dem von ihr gemanagten Hostal hatte, uns aber ein Zimmer in ihrer Wohnung nahe der Copacabana zur Untermiete anbot. Neben einer schönen Bleibe bekamen wir so allerhand Tipps.

Da waren wir nun also am berühmtesten Strand der Welt, von dem wir schon als Kinder irgendwie mal gehört hatten. Die Strände sind für die Einwohner von Rio wohl so etwas wie das zweite Wohnzimmer. Bei schönem Wetter wird hier vor allem sonntags eifrig gesonnt, flaniert oder gesportelt. Und so stürzten auch wir uns ins fröhliche Strandleben, bewunderten das Können der Beachfussvolleyballspieler und radelten die Strände auf der am Sonntag für Autos gesperrten Hauptstrasse entlang.

Nachmittags strampelten wir dann nach einer längeren Irrfahrt durch Rio zu dem Aussichtspunkt: dem Corcovado (der knapp 1000 Meter hohe Berg mit dem Riesenjesus). Dort kann man zwar bis ganz hinauf radeln, Tickets für den Zugang zu Jesus und Aussichtsplattform gibt es aber nur weiter unten, von wo aus die Besucher mit Kleinbussen hinaufgefahren werden... Die grandiose Aussicht entschädigte uns jedoch und liess den kurzzeitig aufgekommenen Ärger schnell vergessen. Von oben und weit weg vom Grossstadtlärm ist Rio wirklich eine unglaublich schöne Stadt, herrlich gelegen, mit vielen Hügeln, Wäldern und Buchten.

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 


Das Durcheinander aus überwiegend hässlichen Hochhäusern und oft heruntergekommenen Kolonialbauten gefiel uns dagegen auch in den folgenden Tagen nicht so recht, obwohl die alte Bibliothek, Rios schönstes Kaffeehaus, die Confeitaria Colombo, und die mit Kacheln aus 42 Ländern farbenfroh verzierte Escadaria (Treppe) do Selaron durchaus sehenswert waren.



Einen wirklich schönen Stadtteil fanden wir dann aber doch noch: Mit der Bonde, der alten Strassenbahn, fuhren wir die Hügel hinauf nach Santa Theresa - ein ganz besonderes und noch dazu preiswertes Erlebnis (0.60 $RS = 24 Cent). Mit viel Gepolter und Geschaukel ging es über einen alten Aquädukt und durch enge Kopfsteinpflastersträsschen. Während der Fahrt sprangen immer wieder Passagiere auf und fuhren ein Stück auf dem Trittbrett mit, dort ist es gratis.  Auf der Rückfahrt hing eine ganze Gruppe Schulkinder am Zug und einige hatten jede Menge Spass dabei, während der Fahrt ab- und wieder aufzuspringen, auch wenn wir dabei manchmal den Atem anhielten...



Schliesslich durfte natürlich auch der Besuch des Wahrzeichens Rios, des Zuckerhutes nicht fehlen. Vicky gab uns den Tipp, dass man bis zur Mittelstation der Gondelbahn auf dem Nachbarhügel hinaufsteigen könne. Den schönen Weg konnte man wirklich nur finden, wenn man wusste, dass es ihn gab. Eine Ausschilderung ist wohl nicht im Interesse der Seilbahnbetreiber. Uns gefiel es auf dem Nachbarhügel so gut, dass wir auf den Zuckerhut selbst gar nicht mehr hinauffuhren.


Dafür kamen wir am Abend des folgenden Tages nochmals zum Sonnenuntergang und zu "Rio by night".


Ebensowenig hätten wir wohl den Eingang zum Sambaclub gefunden, den uns Vicky für unseren letzten Abend empfohlen hatte. Irgendwo ging es eine dunkle Treppe hinunter, durch eine Unterführung, in der man den Eintritt zahlte und Stefan auf Waffen durchsucht wurde - na ja, irgendwie ja auch beruhigend. Auf einer direkt am Meer und gegenüber des Strandes Botafogo gelegenen Terrasse sassen dann um zwei Plastiktische herum eine Hand voll Musiker und spielte Samba. Die umherstehende und im Laufe des Abends zunehmend alkoholisierte Menschenmenge sang die Lieder mit voller Begeisterung mit und wir waren mit Sicherheit die einzigen Touristen, die diese ganz eigene Atmosphäre miterleben durften.  

Nach unserem Abschied von Rio begannen wir unsere kombinierte Rad-Bus-Tour: Immer wieder radelten wir ein Stückchen, um dann, genervt vom Verkehr, auf den Bus umzusteigen. Dieser brachte uns - meist nachts - einige hundert Kilometer weiter nach Norden. Erst im Bundesstaat Bahia fanden wir, was wir uns von Brasilien erhofft hatten: ruhige Strassen entlang der Küste, Traumstrände wie aus dem Ferienkatalog und nette kleine Dörfer mit gemütlichen Pousadas, die zum Verweilen einladen. 


Vor allem das romatische Örtchen Trancoso mit seinen bunten Häuschen und den Restaurants, in denen wir bei Kerzenschein unter Mandelbäumen dinierten, hatte es und angetan.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neben der herrlichen Landschaft, den freundlichen Menschen sowie der gemütlichen Lebensweise begeistert uns vor allem auch die Tierwelt, die man so bei uns sicherlich nicht beobachten könnte.


   

Und auch die kommende Strecke, weiter bis nach Salvador, klingt im Reiseführer recht vielversprechend...